Schwarzenberger Schwemmkanal: Ein Bauwerk, das die Wildnis des Böhmerwaldes bezwang

Der Schwarzenbergische Schwemmkanal (Schwarzenberský plavební kanál) zählt zu den beeindruckendsten technischen Denkmälern im Böhmerwald. Er wurde im 18. und 19. Jahrhundert erbaut, um Holz aus den unzugänglichen Wäldern bis nach Wien zu transportieren. Heute ist er ein Magnet für Besucher und verbindet faszinierende Ingenieurskunst mit der Ruhe der Natur.

Planen Sie einen Besuch? Sie können entspannt am Kanal entlang wandern oder die gesamte Strecke auf dem Schwarzenbergischen Radweg mit dem Fahrrad erkunden.

Warum der Kanal ein einzigartiges Ingenieurwerk ist

Dieses technische Meisterwerk schaffte etwas, das der Natur eigentlich widerspricht – es verband zwei verschiedene Meere über den Hauptkamm des Böhmerwaldes. Die Ingenieure „überlisteten“ das Gebirge und verknüpften das Einzugsgebiet der Moldau (fließt in die Nordsee) mit dem der Donau (fließt ins Schwarze Meer). Die Einzigartigkeit liegt darin, dass das Wasser mit einem kaum wahrnehmbaren Gefälle von nur 2–7 Metern pro Kilometer über den Gebirgskamm geführt wird – und dennoch tonnenschwere Holzstämme sicher gesteuert werden konnten.

Ein Blick in die Geschichte

Der Bau verlief in zwei Etappen. Den ersten Teil entwarf Ingenieur Joseph Rosenauer zwischen 1789 und 1793. Die zweite Phase wurde erst nach seinem Tod (1821–1822) abgeschlossen und verlängerte den Kanal bis zum Rosenauer-Teich (Rosenauerova nádrž). Das große Ziel war die Verbindung der Einzugsgebiete von Moldau (Vltava) und Donau. Über 150 Jahre lang war das System in Betrieb. Mit einer Gesamtlänge von etwa 50 Kilometern galt der Kanal damals als absolute technische Spitzenleistung.

So funktionierte das System

Der Schwarzenbergische Schwemmkanal verbindet einen Zufluss der Kalten Moldau (Studená Vltava) mit der österreichischen Großen Mühl, die in die Donau mündet. So gelangte das Holz über die Grenze und weiter flussabwärts bis nach Wien. Gespeist wurde der Kanal von 27 Bächen und drei Hauptwasserquellen: dem Rosenauer-Teich (Rosenauerova nádrž), dem Plöckensteinsee (Plešné jezero) und dem Hirschteich (Jelení jezírko), von dem die Hirschbach-Riese (Jelení smyk) wegführte.

Infos für Besucher

Das gesamte Areal ist frei zugänglich und ideal für Wanderer und Radfahrer. Markierte Wege führen Sie zu den Highlights wie dem Hirschberg-Tunnel (Jelení tunel), dem Aquädukt bei Rossbach (Koňský potok) sowie verschiedenen Wehren und Schleusen. Infotafeln entlang der Strecke erklären die Funktionsweise im Detail. Die Wege sind flach und somit perfekt für Familienausflüge geeignet.

Spannende Details

  • Rosenauer-Teich (Rosenauerova nádrž): Hier am Hang des Dreisesselbergs (Třístoličník) beginnt der Kanal und versorgte die obere Kanalstrecke mit Wasser.
  • Hirschbach-Riese (Jelení smyk): Diese steile Verbindung leitete zusätzliches Wasser aus dem Hirschteich (Jelení jezírko) in den Kanal und diente zugleich als Holzriese für Stämme aus abgelegenen Waldgebieten.
  • Salnauer Riese (Želnavský smyk): Erst 1887 erbaut, verband diese Riese den Kanal direkt mit der Moldau (Vltava). So konnte das Holz sogar bis nach Prag schwimmen.
  • Hirschberg-Tunnel (Jelení tunel): Ein handgegrabener, etwa 400 Meter langer Tunnel aus den Jahren 1821–1822. Er wurde von beiden Seiten gleichzeitig vorgetrieben – und die Arbeiter trafen sich mit einer Abweichung von nur wenigen Zentimetern. Eine unglaubliche Ingenieursleistung. Die Portale wurden im neugotischen Stil gestaltet.
  • Aquädukt bei Rossbach (Koňský potok): Eine beeindruckende steinerne Wasserbrücke, die den Kanal über den Rossbach (Koňský potok) führt.
  • Regulierung: Über 20 Wehre und bis zu 157 Schleusen sorgten für einen konstanten Wasserstand. Trotz des geringen Gefälles überwindet das Wasser auf der gesamten Strecke stolze 255 Höhenmeter.

Der Schwarzenbergische Schwemmkanal ist weit mehr als nur ein historisches Bauwerk – er ist ein technisches Wunderwerk inmitten der unberührten Natur des Böhmerwaldes.

Schwarzenbergischer Schwemmkanal auf der Karte

📍 Wo man nach dem Ausflug am besten entspannt

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